Neuer Arbeitsethos mit der Reformation

 
Huldrych Zwingli
Huldrych Zwingli

Zwingli in Zürich
Huldrych Zwingli, ein Priester aus dem Bergkanton Glarus, wurde 1518 Leutpriester am Zürcher Grossmünster, das heisst, er gehörte selber keinem Orden an. Zwingli erklärte seinen Zuhörern das Neue Testament in verständlichen Worten, statt nur Lesungen abzuhalten. Er setzte sich auch gegen den Ablasshandel ein, bei dem die Kirche Geld für die Sündenvergebung und die "Errettung aus dem Fegefeuer" verlangte. Ausserdem verbot er das sogenannte Reislaufen, die bezahlten Söldnerdienste, die vor allem für die Kriege des Papstes geleistet wurden. 1523 organisierte der Rat von Zürich eine öffentliche Anhörung ("Disputation") zum Thema Bibelauslegung. Der Rat erlaubte ihm daraufhin, mit seinen Erklärungen der Bibel fortzufahren. Er stellte sich damit gegen eine Empfehlung von Papst Hadrian VI, für den Zwingli inzwischen ein Ketzer war. Dadurch übernahm der Rat an der Stelle des Papstes die Oberhoheit über die Kirche. 1524 wurde die Messe abgeschafft, die Reliquien (Gebeine von Heiligen) aus den Kirchen geräumt und das Zölibat, Prozessionen und Wallfahrten aufgehoben.

 
Soziologe Max Weber
Der deutsche Soziologe Max Weber

Neue Einstellung zur Arbeit
Die Reformation verstärkte auch die positive Einstellung zur Arbeit. Der deutsche Soziologe Max Weber (1864-1920) stellte später die protestantische Arbeitsethik als bedeutenden Faktor für den Wohlstand in den modernen Industriegesellschaften dar. Allerdings hatten schon die Benediktinermönche "gebetet und gearbeitet"; "ora et labora" lautete ihr Wahlspruch. Zwingli drückte das so aus: "Die Arbeit ist ein gut göttlich Ding." Der Historiker Dr. Sigmund Widmer schreibt dazu: "Reichtum und Wohlhabenheit der heutigen Staaten deckt sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit der Adaption von Zwinglis Arbeitsethos."

Weiterführende Literatur und Links:
1. Peter Dürrenmatt, Schweizer Geschichte, Schweiz. Druck- und Verlagshaus AG, Zürich 1963
2. Peter H. Uhlmann Kirchengeschichte 2, unveröffentlichtes Kursmanuskript
5. Sigmund Widmer, Zürich - eine Kulturgeschichte. Fromme Ketzer, Zürich 1977



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