Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg

 
Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg

Das Schweizer Bankkundengeheimnis
Schon während des 1. Weltkrieges brachten viele Vermögende aus dem Ausland ihr Geld in die Schweiz, da die politische Stabilität im Heimatland nicht mehr gegeben war. 1934 wurde das Bankgeheimnis im "Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen" gesetzlich verankert. Dafür mussten sich die Banken von der Eidgenössischen Bankenkommission kontrollieren lassen. Die Bankiervereinigung definiert das weltbekannte Bankgeheimnis, als Bankkundengeheimnis, d.h. als Recht des Bankkunden auf Schutz seiner ökonomischen Privatsphäre. Während der Zeit des Nationalsozialismus erlaubte dieses Bankkundengeheimnis reichen Juden, ihre Vermögen dem nationalsozialistischen Staat zu entziehen.

Zunehmender Wohlstand der Nachkriegsjahre
Nach dem Krieg war Europa in einen Westblock und einen Ostblock gespalten. Schon bald begann das atomare Wettrüsten, das zwischen den USA und der Sowjetunion zu einem Gleichgewicht des Schreckens führte. Die Schweizer Industrie und Infrastruktur waren nach dem Krieg unversehrt geblieben. Das brachte dem Land in Europa einen fast einzigartigen Vorteil. Die Finanz-, Pharma-, Maschinen- und Uhrenindustrie konnten nun ihre Stellung entsprechend ausbauen, ihre Geschäfte internationalisieren und in den Nachkriegsjahren stark wachsen. Es folgten Jahrzehnte des stetig steigenden Wohlstandes. Die Einführung der schweizerischen Sozialwerke AHV und IV (Renten- und Invaliditätsversicherung) brachten endlich für breite Bevölkerungskreise eine zunehmende soziale Sicherheit.

 
Der VW Käfer - das Sinnbild
Der VW Käfer - das Sinnbild für steigenden Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten der Nachkriegsjahre

Aufstieg der Schweizer Banken der Interhandel-Deal
Auch die Schweizer Grossbanken wuchsen sehr stark und eröffneten bald Niederlassungen in der ganzen Welt, insbesondere in den USA. Durch eine Einigung mit der amerikanischen Regierung über das Dossier Interhandel wurde die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) zur führenden Schweizer Grossbank. Ein kurzer Überblick soll das Geschehen rund um Interhandel verdeutlichen:

Deutschland brauchte Zugriff auf amerikanische Chemieunternehmen, um seine Rüstungsmaschine am Laufen zu halten. Dazu bedienten man sich der 1929 durch den IG-Farben-Konzern gegründeten IG Chemie in Basel, um sich über diese "Tarnfirma" an den amerikanischen Chemiefirmen der GAF (General Aniline & Film Corporation) zu beteiligen. Auf dem Papier gehörte die Firma IG Chemie jedoch einer Schweizer Bankengruppe. Man war so siegessicher, dass man das Risiko der wackligen Beteiligung über die Schweizer Tarnfirma einging. Nach dem Krieg erhoben die Schweizer Besitzer Anspruch auf die IG Chemie (später Interhandel) und ihrer Beteiligungen in den USA (GAF). Die USA erkannten diesen Anspruch nicht an, und es entwickelten sich heftige diplomatische. politische und rechtliche Auseinandersetzungen um diese "Kriegsbeute". 1961 einigten sich die Unterhändler der SBG mit den USA. Die Schweizerische Bankgesellschaft wurde um einige hundert Millionen US-Dollar reicher und damit zum mächtigsten Finanzinstitut der Schweiz.

Rechtlich gesehen war der Deal korrekt und auch geschickt und professionell ausgehandelt. Aus christlicher Perspektive muss man sich aber fragen, wieviel Blut von Unschuldigen (insbesondere Juden) an dieser "Kriegsbeute Interhandel" kleben geblieben ist und der Schweiz weiterhin anhaftet.

Weiterführende Literatur und Links:
1. Interhandel-Deal
2. Interhandel. Die schweizerische Holding der IG Farben und ihre Metamorphosen - eine Affäre um Eigentum und Interessen (1910-1999), Veröffentlichungen der UEK. Band 2, Mario König
3. Stellungnahme der Schweiz. Evang. Allianz zum Thema Wirtschaftsethik



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