Schweiz im 2. Weltkrieg

 
Das Hakenkreuz, das Symbol
Das Hakenkreuz, das Symbol der Nationalsozialisten

Weltwirtschaftskrise und Aufstieg des Nationalsozialismus
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) wurde 1919 von Anton Drexler und Karl Harrer in München als Deutsche Arbeiterpartei (DAP) gegründet und 1920 in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt. Adolf Hitler trat der Partei 1919 bei und wurde bald ihr Propagandachef. Unter dem Symbol des Hakenkreuzes begannen die Nationalsozialisten ihren Aufstieg. Schon zwei Jahre später wählte man Hitler zum Parteivorsitzenden. Seitdem galt in der Partei das Führerprinzip; Mehrheitsbeschlüsse wurden abgeschafft. Bereits das Parteiprogramm vom 24. Februar 1920 enthielt antiliberale, antikapitalistische, imperialistische und besonders antisemitische Züge. 1923 trat Adolf Hitler als Redner an einer von Ulrich Wille junior organisierten Veranstaltung in Zürich auf. Die anwesenden Schweizer Industriellen spendeten grosszügig für seine NSDAP.

 
Adolf Hitler
Adolf Hitler
1929: Ein massiver Kurssturz an der New Yorker Börse löste die Weltwirtschaftskrise aus. Ihren Höhepunkt in der Schweiz erreichte sie im Jahr 1936. Der Franken wurde um 30 Prozent abgewertet, Banken verloren viel Geld in Deutschland, und die Arbeitslosigkeit stieg an. In Deutschland waren die negativen Folgen der Wirtschaftskrise noch stärker zu spüren. Viele Menschen aus dem Mittelstand verloren durch die Inflation ihr gesamtes Vermögen und verbitterten. Dabei war die deutsche Niederlage im 1. Weltkrieg noch gar nicht verarbeitet. Viele Deutsche suchten in dieser Sinnkrise Zuflucht in esoterischen Gruppen. Der österreichische Gefreite Hitler und seine rassistischen und nationalsozialistischen Ideen fielen auf einen fruchtbaren Boden. 1933 war für ihn das Jahr der Wende. Nach einer sehr grossen Krise kam plötzlich Geld aus den USA, von der deutschen Industrie und aus der Schweiz. Dies trug entscheidend dazu bei, dass Hitler 1933 Reichskanzler wurde. Der ganze unheilvolle Aufstieg der Nazis und die Judenverfolgen nahmen ihren Lauf. Sie gipfelten im Holocaust mit - nach offizieller Zählung - sechs Millionen getöteten Juden. Der durch die Nazis angezettelte 2. Weltkrieg forderte insgesamt ca. 45 Millionen Todesopfer. Auch in der Schweiz gab es Nationalsozialisten, doch fassten sie hier nie richtig Fuss.

Zweiter Weltkrieg
Am 1. September 1939 überfiel das nationalsozialistische Deutschland Polen. Der Zweite Weltkrieg brach aus. In der Schweiz wählte der Bundesrat Henri Guisan zum General. Wieder wurden die Grenzen besetzt, und man blieb soweit neutral. Auch für die Schweizer Bevölkerung
 
General Guisan, General der Schweiz
General Guisan, General der Schweizer Armee im 2. Weltkrieg
folgte eine entbehrungsreiche Kriegszeit mit Rationierungen der Lebensmittel, was besonders die Familien der einberufenen Soldaten (der "Aktivdienstleistenden") spürten. Der überwiegende Teil der Schweizer Bevölkerung waren Gegner des nationalsozialistischen Gedankenguts. Der Wille zum Widerstand gegen die Nazis wurde durch die behördliche Propaganda der "geistigen Landesverteigung" mobilisiert. Die Landesausstellung von 1936 trug zur Entstehung eines Nationalbewusstseins bei, das sich bis in heutige Tage im "Sonderfall Schweiz" äussert. Die Schweiz nahm Flüchtlinge auf, hätte aber noch mehr tun können und müssen angesichts der sich anbahnenden Vernichtung der Juden. Der Bundesrat befand sich auf einer Gratwanderung zwischen Widerstand gegen Nazi-Deutschland, der Wahrung einer glaubwürdigen Neutralität und taktischen realpolitischen Kompromissen gegenüber beiden Kriegsparteien, um einen Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Schweiz zu verhindern. Diese Kompromisse waren zum Beispiel: Ermöglichen des Alpentransita (plombierte Züge mit Kriegsgütern durchquerten die Schweiz Richtung Italien), Abwicklung von Goldtransaktionen durch die Schweizerische für die Deutsche Nationalbank, Produktion von Militärgütern durch Schweizer Firmen für Nazi-Deutschland. Mehr als 50 Jahre später sollte die Kontroverse zum Thema Raubgold, nachrichtenlose Vermögen etc. die Schweiz noch einmal durchschütteln und Zeitungen und Bücher füllen. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges blieb die Schweiz eine Insel inmitten eines unvorstellbar grausamen Krieges mit ca. 45 Millionen gefallenen Soldaten und Zivilisten. Die Not und Entbehrungen der Kriegsjahre lehrten auch hier wieder viele Menschen das Beten.

 
Rapport von General Guisan
Rapport von General Guisan auf dem Rütli
 
Nürnberg NS
Parteitag der Nationalsozialisten in Nürnberg

Erschütterung "Schweiz im 2. Weltkrieg"
Die 50 Jahre Kriegsende beging die Schweiz mit den vom Militärdepartement inszenierten "Diamant-Feiern". Zu Recht wurde dabei die sogenannte Aktivdienst-Generation für ihren entbehrungsreichen Einsatz im 2. Weltkrieg geehrt. Nach 50 Jahren wurden auch etliche Archive neu der Öffentlichkeit zugänglich. Das brachte es mit sich, dass die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg international neu diskutiert wurde. Senator d'Amato und der jüdische Weltkongress in New York machten dabei Druck auf die Schweiz und ihre Banken und forderten, dass
 
Schweiz im 2. Weltkrieg
nachrichtenlose Konten von Juden aus dem 2. Weltkrieg offengelegt und Wiedergutmachung geleistet würde. Im Keller der Grossbank UBS rettete Wachmann Christoph Meili Unterlagen aus dieser Zeit vor dem Aktenvernichter und ging damit an die Öffentlichkeit. Der Druck auf die Schweiz und die Banken nahm zu. Rainer E. Gut von der Crédit Suisse fädelte schliesslich einen Milliarden-Deal der beiden Grossbanken mit dem jüdischen Weltkongress ein und schloss damit die Geschichte juristisch ab. Die Schweiz und ihre Identität wurden durch diese Ereignisse stark erschüttert. Bisher hatte man die eigene jüngste Vergangenheit in besserem Licht gesehen.

Weiterführende Literatur und Links:
1. Hitlers "Zürich-Connection", Zeitschrift "Facts"
2. Schweizer Geschichte, Peter Dürrenmatt, Schweiz. Druck- und Verlagshaus AG, Zürich 1963
3. Stellungnahme der Schweizerischen Evangelischen Allianz zum Thema Schweiz - Zweiter Weltkrieg
4. Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg



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