Gallo-Römische Religion

 
Ruinen des römischen
Ruinen des römischen Amphitheaters von Vindonissa, Windisch

Die Schweiz als Provinz des Römischen Reiches
Zur Zeitenwende dehnte sich das Römische Reich über den ganzen Mittelmeerraum aus; auch das Gebiet der heutigen Schweiz gehörte dazu. Verwaltungskunst und Militärmacht der Römer schufen einen zusammenhängenden Staats- und Wirtschaftsraum mit den damaligen Weltsprachen Griechisch und Latein. Die römischen Städte wurden nach einheitlichen Bauplänen errichtet. Gepflasterte Strasse verbanden sie mit den Heerlagern. Namen wie Vindonissa (Windisch), Aventicum (Avenches), Turicum (Zürich) und andere sind noch heute Zeugen dieser Zeit. Eine rund 200jährige Friedensperiode setzte ein, die "Pax Romana".

Die Religion der Römer
Die römischen Götter wie Jupiter, Juno und Minerva sind den griechischen (Zeus, Athene etc.)
 
Ruinen der römischen Stadt
Ruinen der römischen Stadt in Avenches
sehr ähnlich. An verschiedenen Orten - u.a. in Zürich - wurden Jupitersäulen gefunden; Steinsäulen, die Jupiter darstellten und ihm gewidmet waren. Den Göttern wurden Opfer gebracht, und als Gegenleistung erwartete man ihren Schutz und ihr Wohlwollen. Daneben gab es auch verschiedene Mysterienkulte wie den Mithras- und den Dionysios-Kult und eher philosophisch gefärbte Gruppierungen wie die Stoiker, die Skeptiker und die Epikureer.

Gallo-römische Tempel
Bei Ausgrabungen in Oberwinterthur und an anderen Orten in der Schweiz kamen immer wieder gallo-römische Tempelanlagen zum Vorschein. An diesen Orten hatten offenbar schon die Kelten ihre Götter angebetet. Nun wurde hier auch den römischen Göttern geopfert. Die römische
 
Jupitersäule
Jupitersäule
Religion vermischte sich so mit keltischen Einflüssen. Das Ganze erinnert stark an die heutige Patchwork-Religionen: Jeder konnte sich eine auf seine Bedürfnisse und Vorlieben ausgelegte Religion zusammensetzen.

Kaiseranbetung oder Anbetung von Jesus Christus?
Die römische Staatsreligion festigte das Wirtschafts- und Rechtssystem und diente damit dem ganzen Imperium. Der Kaiser war der oberste Priester. Neben der politischen und militärischen Oberhoheit hatte er damit auch die höchste religiöse Gewalt inne - im wahrstem Sinn des Wortes: Im Jahre 98 nach Christus lässt sich Kaiser Domitian als "Gott und Herr" verehren, beginnt die erste Christenverfolgung und lässt hohe Regierungsbeamte, die Christen waren, hinrichten und verbannen. An Orten wie Pergamon in Kleinasien finden wir Stätten dieses Kaiserkultes, an denen Christen den Tod fanden. Die Bibel beschreibt in Offenbarung 2,13 das Schicksal eines gewissen Antipas, der in Pergamon für seinen Glauben an Jesus Christus umgebracht wurde. Der Altar jener Stadt wurde ausgegraben und kann heute auf der Museumsinsel in Berlin besichtigt werden.

 
Göttin Minerva
Göttin Minerva
 
Ausgegrabener und
Ausgegrabener und rekonstruierter Pergamon-Altar in Berlin
Hedonismus pur - Brot und Spiele
Die römische Kultur wurde zunehmend hedonistischer: Man lebte nach dem, was Lust und Spass versprach. Die römischen Kaiser hielten mit dem Motto "Brot und Spiele" die Volksmassen bei Laune. In dem Kinofilm "Gladiator" wird das Leben und Sterben dieser Kämpfer eindrücklich und historisch soweit zutreffend dargestellt. Man gewinnt einen Eindruck von der Dekadenz der römischen Gesellschaft und vom rohem Umgang der römischen Kaiser mit ihren Untertanen. Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod, kombiniert mit Hinrichtungen und Kämpfen zwischen Tier und Mensch, dienten der "Unterhaltung" der Volksmassen und waren damit eine Stütze des römischen Systems.

 
Römische Gladiatoren
Römische Gladiatoren, abgebildet auf einem Mosaik in Augusta Raurica (heute: Augst, Kanton Baselland).

Das römische Imperium wird erschüttert
Im Jahr 70 n. Chr. liess Kaiser Titus die Stadt Jerusalem samt dem jüdischen Tempel zerstören und feierte mit seinen Legionen den Sieg über die Juden. Kurze Zeit später bricht südlich von Rom der Vesuv aus und begräbt die Stadt Pompeij unter einer meterdicken Schicht aus Vulkanasche. Als politische Grösse verschwand das Römische Reich einige Jahrhunderte später. Reste in Kleinasien blieben bis ins 15. Jahrhundert bestehen, und im Westen wirkte der Name als "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation" noch bis 1806 fort. Die katholische Kirche trägt auch weiterhin den Beinamen "römisch".

 
Kolosseum in Rom
Kolosseum in Rom, ein Ort, an dem Gladiatorenkämpfe stattfanden.
 
Vesuv und Pompeij um 1900
Vesuv und Pompeij um 1900
Weiterführende Literatur und Links:

1. Altar von Pergamon: www.smb.spk-berlin.de/charts/pergamon.html
2. Lutz E. von Padberg, Die Christianisierung Europas im Mittelalter, Reclam, Stuttgart 1998
3. Sigmund Widmer, Zürich - eine Kulturgeschichte. Band Ur- und Frühzeit, Artemis-Verlag 1975
4. Peter H. Uhlmann, Kirchengeschichte 1 (KG1) - unveröffentlichtes Kursmanuskript



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