Evangelikale in der Schweiz

 
Brian Deacon als Hauptdarsteller
Brian Deacon als Hauptdarsteller im Film «Jesus», Inspirational Films

Evangelikale glauben an Jesus Christus
Wer war Jesus Christus ? In der Provinz Judäa musste sich ein römischer Statthalter um einen delikaten religiösen Aufstand kümmern. Die jüdischen Religionsgelehrten klagten einen beliebten wunderwirkenden Wanderprediger namens Jesus als Unruhestifter an. Er behaupte von sich, er sei der Sohn Gottes, und das erfülle den Tatbestand der Gotteslästerung. Obwohl der römische Gouverneur Pontius Pilatus keine Schuld an ihm fand, liess er ihn kreuzigen, sein Grab mit einem grossen Stein verschliessen und Wachen davor postieren. Damit war die Ruhe wiederhergestellt - jedenfalls für einige Stunden. Denn am anderen Morgen war der Stein weg, das Grab offen, und der eben noch Tote erschien vielen Menschen als Auferstandener. Jetzt startete eine Bewegung durch, die bis heute nicht zu bremsen ist: das Christentum, der Glaube an Jesus Christus, diesen Sohn Gottes. In der Schweiz waren diese Probleme von Pontius Pilatus in Judäa wohl nur bei der römischen Oberschicht ein Thema. Doch das sollte sich bald ändern. - Das Leben und Wirken von Jesus Christus gehört zu den am besten dokumentierten Geschehnissen der Antike.

Evangelikale in der Tradition der ersten Christen
 
Hauptdarsteller im Film «Jesus»
Bischof Eucherius von Lyon berichtet im 5. Jahrhundert von den Ereignissen um die Thebäische Legion (einer römischen Eliteinheit), die ums Jahr 300 in St. Maurice im Wallis stationiert war. Viele ihrer Soldaten hatten sich zu ihrem christlichen Glauben bekannt und weigerten sich, Christen aus der Region zu verfolgen. Einige der Soldaten wurden hingerichtet, andere konnten fliehen: Felix und Regula nach Turicum (Zürich), Urs und Victor nach Solothurn. Die Geflüchteten halfen mit, das Evangelium an ganz neue, noch unerreichte Orte zu tragen. Manche wurden zu Märtyrern und starben für ihren Glauben. Noch heute sind die Märtyrer Felix und Regula im Siegel des Kantons Zürich verewigt.

Die irischen Glaubensboten - der Durchbruch des Christentums in der Schweiz
Die Bewegung der Christen in der Schweiz hatte einen verheissungsvollen Start. Im Lauf der der
 
Mosaik Christenverfolgungen
Mosaik, das Christenverfolgungen in Rom darstellt
Zeit wurde sie jedoch immer lauer. Als im Jahre 600 die ersten irischen Glaubensboten in die Schweiz kamen, fanden sie zwar einige Christen in den römischen Siedlungen und in den damaligen Bischofssitzen in Basel, Genf, Sion, Martigny und Chur. Aber der Grossteil der Bevölkerung glaubte an den keltisch-germanischen Wotan, an Donar und Loki, oder besuchte gallo-römische Tempel in den Städten. Die irischen Glaubensboten Columban und Gallus brachten einen kräftigen, an der Bibel orientierten und durch Wunder und Zeichen bestätigten Glauben an Jesus in die Schweiz. Ihr Ziel war es, als Apostel das Evangelium von Jesus unter die Leute zu bringen. Sie wollten keine Kirche oder Konfession gründen. Ihre selbstlose Hingabe und ihr Eifer führten zur Gründung von Klöstern wie zum Beispiel dem nach Gallus benannten Kloster St. Gallen. Diese wurden zu Brückenköpfen eines vitalen und wachsenden Christentums. Bildung, landwirtschaftliches Wissen, Versorgung der Armen und das Evangelium erreichten nun langsam die Herzen der Alemannen in der Schweiz. Der Historiker Dr. Sigmund Widmer schreibt darüber: "Das Christentum, wie es durch die Glaubensboten, Märtyrer und Eremiten und die ersten Klöster vorgelebt wurde, ging als Alternative weit über das im materiellen Siedlungskonzept verharrende Denken der Alemannen hinaus." Drei Jahrhunderte später standen überall in der Schweiz
 
Felix, Regula und ihr Diener Exu
Felix, Regula und ihr Diener Exuperantius auf dem Siegel des Kantons Zürich
christliche Kirchen. Die Schweiz des 9./10. Jahrhunderts war bereits weitgehend vom Christentum durchdrungen.

Evangelikale Wurzeln in der Reformation
Huldrych Zwingli, ein Priester aus dem Bergkanton Glarus, wurde 1518 Leutpriester am Zürcher Grossmünster, das heisst, er gehörte selber keinem Orden an. Zwingli erklärte seinen Zuhörern das Neue Testament in verständlichen Worten, statt nur Lesungen abzuhalten. Er setzte sich auch gegen den Ablasshandel ein, bei dem die Kirche Geld für die Sündenvergebung und die "Errettung aus dem Fegefeuer" verlangte. Ausserdem verbot er das sogenannte Reislaufen, die bezahlten Söldnerdienste, die vor allem für die Kriege des Papstes geleistet wurden. 1523 organisierte der Rat von Zürich eine öffentliche Anhörung ("Disputation") zum Thema Bibelauslegung. Der Rat erlaubte ihm daraufhin, mit seinen Erklärungen der Bibel fortzufahren. Er stellte sich damit gegen eine Empfehlung von Papst Hadrian VI, für den Zwingli inzwischen ein Ketzer war. Dadurch übernahm der Rat an der Stelle des Papstes die Oberhoheit über die Kirche. 1524 wurde die Messe abgeschafft, die Reliquien (Gebeine von Heiligen) aus den Kirchen geräumt und das Zölibat, Prozessionen und Wallfahrten aufgehoben.

 
Columban auf einem Gemälde
Columban auf einem Gemälde in einer Kapelle in Iona, Schottland

Evangelikale in der Tradition der Wiedertäufer
Die Disputation von 1523 war der Durchbruch für die Reformation in der Schweiz. Mitstreiter Zwinglis wie Felix Mantz verlangten daraufhin eine konsequente Umsetzung der reformatorischen Gedanken und biblischen Lehren. Dazu gehörten die Trennung von Kirche und Staat und die Einführung der Erwachsenentaufe. In Zollikon wurden bald auch erste Taufen von Erwachsenen durchgeführt. Doch nun kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Zwingli und den Täufern. 1527 wird Felix Mantz in der Limmat ertränkt. Die Wiedertäufer flüchten in alle Teile Europas. Erst im Jahr 2004 hat sich die reformierte Landeskirche des Kantons Zürich von diesen tragischen Ereignissen distanziert.

Evangelikale in der Tradition der Pietisten
Anfang des 18. Jahrhunderts war der reformatorische Schwung in den reformierten Kirchen ziemlich erlahmt. Ein Sittenmandat löste das andere ab. In Deutschland erschien 1675 das Werk "Pia Desideria" von Philip Jakob Spener, das einen verinnerlichten christlichen Glauben und eine Revision des Theologiestudiums forderte. Der Wunsch nach echter christlicher Gemeinschaft, einem konsequenten Leben nach der Bibel und einer persönlichen Glaubensbeziehung mit Gott nahmen zu. Die reformierten Staatskirchen, vor allem in Bern und Zürich, reagierten ablehnend. Theologen, die sich zum Pietismus, wie diese Frömmigkeit bald genannt wurde, bekannten, verloren ihre Ämter. "Die Kraft zu einer Erneuerung der christlichen Kirche fehlte", schreibt dazu der Historiker Sigmund Widmer.

 
Huldrych Zwingli Evangelikale
Huldrych Zwingli
 
Wahlspruch Täufermärtyrers Balthasa
Wahlspruch des Täufermärtyrers Balthasar Hubmaier: „Die Wahrheit ist untödtlich.“
Aufklärung und Pietismus
Das ausgehende 18. Jahrhundert ist eine Zeit des Umbruchs. Die Gedanken der Aufklärung greifen um sich. Man betonte Individualität, Freiheit und den freien Willen des Menschen. Die Aufklärung vertrat damit ähnliche Anliegen wie der Pietismus, nur erkannte sie dafür nicht mehr Gott als die Autorität an. Individualität, Freiheit und freien Willen besäße der Mensch aus sich selbst heraus, während der Pietismus diese als Gaben Gottes verstand. Beide Bewegungen wurden durch die kirchlich-staatliche Obrigkeit, das Ancién Regime, unterdrückt.

 
Philip Jakob Spener
Philip Jakob Spener

Evangelikaler Widerstand gegen staatlich verordnete liberale Theologie im 19. Jahrhundert
Auch im reformierten Zürich regte sich Widerstand gegen die radikale Obrigkeit. Die Obrigkeit, zunehmend unter dem Einfluss der Radikalen Partei, aber immer noch dem Konzept der Staatskirche verhaftet, sah es als ihre Aufgabe an, die Kirche nun nach aufklärerischen Prinzipien zu reformieren. Sie beriefen den deutschen Theologen David Friedrich Strauss als Professor an die Universität Zürich. Er war als Vorreiter der liberalen Theologie äusserst umstritten. Die humanistischen Grundlagen dieser Theologie sollten zu einer Unabhängigkeit von christlichen Lehren und kirchlichen Traditionen führen. Doch was bleibt dann noch übrig? Wenig mehr als das So-tun-als-ob, wie es Lessings Ringparabel nahelegt. Allerdings geht "der echte Ring/ Glaube" diesmal nicht "verloren", sondern wird willentlich weggeworfen. Diese Demontage haben auch viele Christen zur damaligen Zeit gespürt und sich heftigst dagegen gewehrt. Vor allem als staatliche Verordnung von oben kam die liberale Theologie gar nicht gut an. Im sogenannten Züriputsch vom 6. September 1839, der sich gegen die Berufung des liberalen Theologen Strauss richtete, marschierte die Zürcher Landbevölkerung in die Stadt und setzte die Regierung ab. Es folgte eine Zeit, in der sich Radikale und Konservative einen längeren Machtkampf lieferten.

 
Eine Illustration der Pietisten
Eine Illustration der Pietisten zum schmalen und breiten Weg, einem Leben mit bzw. ohne Jesus Christus.

Evangelikale in der Tradition der ersten Freikirchen und der Gemeinschaften innerhalb der Landeskirchen, die, die liberale Theologie ablehnten
Staat und einflussreiche Kreise verordneten den Kirchen im 19.Jahrhundert eine liberale Theologie, doch gleichzeitig verloren die Staatskirchen an Macht. Da nun Religionsfreiheit herrschte, entstanden in dieser Zeit die ersten Freikirchen: 1833 in Bern die erste Freie Evangelische Gemeinde (FEG), 1840 die erste Methodisten-Gemeinde und 1869 die erste Chrischona-Gemeinde. 1881 folgte die Heilsarmee, die neben einer geistlichen auch eine sehr starke soziale Ausrichtung hatte. Seither ist die Heilsarmee zu einem Markenzeichen für christliche Nächstenliebe gegenüber den Schwachen der Gesellschaft geworden. Aber auch in den reformierten Landeskirchen wehrten sich gläubige Menschen gegen die liberale Theologie und bildeten vielerorts erweckliche Gemeinschaften innerhalb ihrer Kirchen.

 
David Friedrich Strauss
Der liberale Theologe David Friedrich Strauss
 
Wappen der Heilsarmee
Wappen der Heilsarmee
Evangelikale und das christliche Erbe der Schweiz
Das Christentum hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es die Kraft hat, auch in einem hedonistischen Umfeld Menschen anzuziehen. Wie sieht das heute aus? Welche Rolle spielen Christen in einer Welt mit christlicher Vergangenheit, einer hedonistisch-materialistischen Gegenwart und einer offenen Zukunft? Veranstaltungen wie "Credo 91", die Christustage, "Aktion Neues Leben", christliche Medienbeiträge durch den ERF ("Evangelium in Rundfunk und Fernsehen") und die Fernsehsendung "Fenster zum Sonntag", der "Marsch für Jesus", christliche Internetseiten wie Livenet, Alphalive-Glaubenskurse - alle diese Aktionen und Programme der letzten 20 Jahre zeigen: Die Christen gehen aufeinander zu und wollen die gute Nachricht von Jesus wieder bekannt machen und in die Gesellschaft hineintragen. Die Vereinigten Bibelgruppen (VBG) und Campus für Christus wirken dafür an Schulen und Universitäten; Stiftungen wie "Quellenhof" und "Meilestei" engagieren sich für Randständige und Drogenabhängige; Parteien wie EVP und EDU versuchen, christliche Werte in der Politik zu vertreten.

 
Das Fahnen-Kreuz aus sämtlichen
Das Fahnen-Kreuz aus sämtlichen Schweizer Gemeinden, gebildet am Christustag 2004 im Sportstadion von Basel.
 
Christen aus der Schweiz
Christen aus der Schweiz am Christustag.
Weiterführende Literatur und Links:

1. Armin Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band 1,2,3,4. Die Neuzeit, Hänssler-Verlag 2004
2. Peter H. Uhlmann, Kirchengeschichte 1/2/3 , unveröffentlichtes Kursmanuskript



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