12. Erschütterungen der Schweiz in der Gegenwart

 
Flagge EU
Flagge der Europäischen Union (EU)

EWR/EU-Beitrittsdiskussion
1992 wurde in der Schweiz über den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) abstimmen. Diese Debatte berührte das Selbstverständnis der Schweiz zutiefst, denn die Schweiz verstand sich seit 1291 als einen "Spezialfall" in der europäischen Landschaft. Die Westschweiz hatte allerdings einen sachlicheren Zugang zur EWR-Frage. Die Befürworter aus diesem Landesteil und aus den Parteien FDP und SP appellierten an die Weltoffenheit der Schweiz und stellten die wirtschaftlichen Vorteile des EWR in den Vordergrund. Die EWR-Gegner stellten die bisherigen Erfolge der schweizerischen Alleingänge ins Rampenlicht. Viele Christen sind einem Vereinten Europa gegenüber skeptisch eingestellt. Die wirtschaftliche, politische und teilweise auch religiöse Vereinheitlichung Europas ist vielen suspekt und weckt Assoziationen mit den in der Offenbarung der Bibel beschriebenen Endzeit-Szenarien. Der Beitritt zum EWR wurde abgelehnt, und die Schweiz hat seither mehrere bilaterale Abkommen mit der EU abgeschlossen. Das Nein von Frankreich und Holland zur geplanten EU-Verfassung im Jahr 2005 stürzte die EU in eine tiefe Krise. Es wurde offenkundig, dass die Europäische Vereinigung für viele betroffene Bürger eine ziemlich fremde und schwer fassbare Idee darstellt.

 
Kaplan-Turbine
Kaplan-Turbine der Escher-Wyss-AG im Jahre 1930

Erschütterung "Industrie-Grounding"
Brown Boveri, Sulzer, Oerlikon Bührle, Sprecher & Schuh, Schweiz. Lokomotivenfabrik Winterthur (SLM), Bally, Volkart, Erb, Saurer, Landis & Gyr, Escher Wyss, Ascom - alles Industrieunternehmen, die nach dem 2. Weltkrieg aufblühten und für "Schweizer Qualität" bürgten. Heute haben die meisten von ihnen mehrere Turnarounds hinter sich, sind geschrumpft, fusioniert, zerlegt oder verkauft worden. Dieser ganze Prozess lief still und leise über die letzten 20 Jahre ab. Zehntausende Menschen wurden arbeitslos und mussten sich beruflich neu orientieren. Die Schweiz entwickelt sich immer mehr zu einer Dienstleistungsgesellschaft.

Erschütterung "Schweiz im 2. Weltkrieg"
Die 50 Jahre Kriegsende beging die Schweiz mit den vom Militärdepartement inszenierten "Diamant-Feiern". Zu Recht wurde dabei die sogenannte Aktivdienst-Generation für ihren
 
BBC
Schilderung an einer Lokomotive, die auch bei Brown Boveri & Co und SLM hergestellt wurde - heute ABB und unter schwedischer Leitung.
entbehrungsreichen Einsatz im 2. Weltkrieg geehrt. Nach 50 Jahren wurden auch etliche Archive neu der Öffentlichkeit zugänglich. Das brachte es mit sich, dass die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg international neu diskutiert wurde. Senator d'Amato und der jüdische Weltkongress in New York machten dabei Druck auf die Schweiz und ihre Banken und forderten, dass nachrichtenlose Konten von Juden aus dem 2. Weltkrieg offengelegt und Wiedergutmachung geleistet würde. Im Keller der Grossbank UBS rettete Wachmann Christoph Meili Unterlagen aus dieser Zeit vor dem Aktenvernichter und ging damit an die Öffentlichkeit. Der Druck auf die Schweiz und die Banken nahm zu. Reiner E. Gut von der Crédit Suisse fädelte schliesslich einen Milliarden-Deal der beiden Grossbanken mit dem jüdischen Weltkongress ein und schloss damit die Geschichte juristisch ab. Die Schweiz und ihre Identität wurden durch diese Ereignisse stark erschüttert. Bisher hatte man die eigene jüngste Vergangenheit in besserem Licht gesehen.

 
Titelseite des Buches von
Titelseite des Buches von Pfarrer Daniel Hari, "Heilen wie Jesus"

"Patchwork-Religion" und die Sehnsucht nach dem Übernatürlichen
Wie ein Teppich aus verschiedenen Stücken, so ist heute die Religion vieler Menschen aus Teilen diverser Traditionen zusammengestellt. In dieser "Patchwork-Religion" passen eine kirchliche Trauung und Taufe der Kinder durchaus neben den Geistheiler, den man bei Krankheit kontaktiert - auch wenn man ansonsten eher materielle und hedonistische Wertvorstellungen verfolgt. Nicht erst seit der 68er-Bewegung, aber seitdem verstärkt, wächst die Sehnsucht nach dem Übernatürlichen. Die Hippies machten ihre ersten spirituellen Erfahrungen im LSD-Rausch und interessierten sich für den hinduistischen Guru und seine Lehren. In der New-Age-Bewegung schliesslich fliessen östliches, spiritistisches auch christliches Gedankengut ineinander. Meistens bleibt es dem einzelnen überlassen, welche Seite er betonen will.
Die Offenheit ist also gross, und auch der "Weltkongress für geistiges Heilen" von Ende November 2004 in Basel fand regen Zulauf. Mit von der Partei war auch Pfarrer Daniel Hari, der unter dem Titel "christozentrisches Heilen" das Heilungsangebot von Jesus Christus weitergab. Nach "schlichten Gebeten" - so ein Mitarbeiter Haris - verschwanden oft die Krankheitssymptome tatsächlich, und viele Menschen beschäftigten sich daraufhin ernsthafter mit Jesus Christus.

Materialismus und Hedonismus
Der Materialismus und das Streben nach materiellen Glück, Erfüllung durch beruflichen Status
 
Streetparade in Zürich
Streetparade in Zürich
und Geld sind im Laufe der 90er Jahre immer mehr zu einer Ersatzreligion geworden. Der Materialismus zeigt sich exemplarisch in einer zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich (in der Schweiz verfügen 7 Prozent der Bevölkerung über 93 Prozent des Privatvermögens!), in der Diskussion um die Millionengehälter von Spitzenmanagern und bei Jugendlichen, die in der Schuldenfalle enden, weil sie der Konsumgüterwerbung geglaubt haben. Neben dem Materialismus hat sich auch der Hedonismus ("Ich mache, wozu ich Lust habe") als Ersatzreligion des modernen Menschen etabliert. An Technokonzerten und der Streetparade manifestiert sie sich auch für den Durchschnittsbürger.

Globalisierung, Fusionen, Deregulierungen und fragwürdige Managerethik
Ende der 90er Jahre herrschte Goldgräberstimmung in der Schweizer Wirtschaft. Die Börse boomte, immer mehr Menschen versuchten an der Börse das schnelle Geld zu machen. Der Multimillionär und Prediger des Aktiensparens für jedermann, Martin Ebner, Chef der BZ-Bank, pries in Vorträgen die Vorteile von Investments in Aktien. Martin Ebner wurde mit technischem Finanz-Knowhow im Bereich Optionen gross und mit dem Kampf um die Kontrolle und den Einfluss auf die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) berühmt. Wie kam es zu diesen Entwicklungen? Banken-, Airline- und Telekommunikationsbranche (z.B. Swisscom) wurden zunehmend dereguliert, fast gleichzeitig setzte die Internet-Revolution ein (siehe unten), und der Abbau von Handelsschranken im Rahmen des GATT und später der Welt-Handelsorganisation WTO forcierten die Globalisierung. Das alles bescherte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre den börsenkotierten Unternehmen grosse Gewinne und der Börse selbst einen markanten Aufschwung. Es war die Zeit der Fusionen, Umstrukturierungen und Akquisitionen, aber auch die
 
BZ-Banker Martin Ebner
BZ-Banker Martin Ebner
Zeit von Entlassungen und schmerzhaften Restrukturierungen im Namen des "Shareholder Values" ("Wert für den Eigentümer/Aktionär"). Die Schweizerische Kreditanstalt übernahm die Schweizerische Volksbank, der Bankverein und die Schweizerische Bankgesellschaft fusionierten zur UBS. Aus Sandoz und Ciba-Geigy wurde der Pharma-Riese Novartis. Viele dieser Fusionen, Umstrukturierungen und der daraus resultierenden Entlassungen von Mitarbeitern wurden mit "marktwirtschaftlichen Sachzwängen" wie globalem Wettbewerb, Kostensenkungen durch Synergien, Skalenerträge und Erhöhung der Kapitalrendite begründet. Diese Begründungen folgen durchaus einer Logik der freien Marktwirtschaft und waren oft auch im Interesse des Aktionärs, wenn auch meist mit schmerzhaften Zäsuren für das Personal verbunden. In anderen Fällen wurden dieselben Marktgesetze aber ausser Kraft gesetzt durch Kartellabsprachen, die Vergabe von Verwaltungsratsmandaten an Mitglieder des eigenen "Clubs" oder der eigenen Partei, durch bevorzugte Zuteilungen von Aktien im Rahmen von Börsengängen (IPOs), übertriebene Abgangsentschädigungen für Manager und generell stark überhöhte Managergehälter. In einigen Fällen, wie z. B. bei der gestrauchelten Swissair, stellte sich auch die Frage, wer denn nun für diese gigantische Vernichtung von Arbeitsplätzen und Unternehmenswert verantwortlich sei. Die Fragen: Wieviel ist genug? und: Was ist ethisch verantwortbar? werden ganz neu diskutiert. Nach der Lektüre von Fachbüchern zur Wirtschaftsethik mag es erstaunen, wie prägnant die Bibel diese Fragen den Punkt bringt: "Geldgier ist eine Wurzel des Bösen"; 1. Timotheus 6,10.

 
Börsenkurs der Sairgroup
Börsenkurs der Sairgroup (Swissair, Gate Gourmet etc.)
 
Welt-Handelsorganisation
Logo der Welt-Handelsorganisation WTO

 
Internet-Router
Internet-Router, eine Schaltzentrale des World Wide Web. Er leitet Datenpakete vom Rechner des Kunden an die IP-Adresse der Ziel-Website weiter.

Internet-Revolution und Informationsgesellschaft
Seit Mitte der 90 er Jahre wachsen das Internet und die damit verbundene Telekommunikations- und Medienbranche rasant. Gründe dafür sind die zumehmende Verbreitung des Internet(IP)-Protokolls in der Nachrichtenübermittlung sowie die Erfindung der Hypertext Markup-Language (HTML) am CERN in Genf durch Tim Lee-Berners. Deregulierungen in der Telekommunikations - und Finanzbranche führten zu speziellen Dienstleistungen (z.B. "Call-Center") und neuartigen Formen der Wertschöpfung, effizienteren Geschäftsprozessen, elektronischen Marktplätzen (E-Commerce) und neuen Formen des Lernen (E-Learning). E-Banking, E-Logistics, E-Marketing, E-Procurement etc. gehören inzwischen zum Alltag unseres Wirtschaftslebens. Geschäfte konnten nun ihre Produkte auf einer Website rund um die Uhr einem weltweiten Publikum präsentieren.
Wie in allen bisherigen industriellen Revolutionen im 19 Jahrhundert folgen einer ersten Phase eindrücklicher Erfolge eine zweite Phase massloser Ueberschätzung der weiterhin für möglich gehaltenen Erfolge der neuen Technologie. Im Englischen nennt man diese Phase "Hype". Gewisse Vetreter der "New Economy", einer Bezeichnung für die Exponenten der neuen Internetfirmen, prophezeiten z.B das Ende der Bank aus Stein und Ziegeln ("Brick and Mortar")
 
PC mit Webbrowser
PC mit Webbrowser, Symbol der Informationsgesellschaft
und den vollständigen Ersatz durch E-Banking via Internet. - Wie bei vielen Veränderungen wird aber nicht alles, was technisch möglich ist, auch von den Menschen akzeptiert. In der Phase des "Hype" kam es dann auch zu Uebertreibungen an der Börse, der sogenannten Blase, und schliesslich zu deren Zerplatzen, dem Zusammenbruch der aufgeblähten Börsenkurse. In der Schweiz erinnert man sich heute nur noch schwach, wenn überhaupt an die "High-Flyer" der damaligen Börse wie Fantastic Corporation oder Think Tools; Firmen, die über Nacht nach dem IPO (Intial Public Offering , zu deutsch Börsengang) mehrere hunderte Millionen Franken wert waren. In einer dritten Phase adoptieren nun die Unternehmen die Internettechnologie in ihre Geschäftsprozesse und können so ihre Produktivität steigern. Immer mehr Telephongespräche werden via Internet geführt. Das Downloaden von Musik via MP3, das Shoppen bei Amazon, die Suche via Google und das Ersteigern von Alltagsartikeln bei Ebay gehören heute zu den Selbstverständlichkeiten.

 
Das Fahnen-Kreuz
Das Fahnen-Kreuz aus sämtlichen Schweizer Gemeinden, gebildet am Christustag 2004 im Sportstadion von Basel.
 
Christen aus der Schweiz
Christen aus der Schweiz am Christustag.

Evangelikale und das christliche Erbe der Schweiz
Das Christentum hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es die Kraft hat, auch in einem hedonistischen Umfeld Menschen anzuziehen. Wie sieht das heute aus? Welche Rolle spielen Christen in einer Welt mit christlicher Vergangenheit, einer hedonistisch-materialistischen Gegenwart und einer offenen Zukunft? Veranstaltungen wie "Credo 91", die Christustage, "Aktion Neues Leben", christliche Medienbeiträge durch den ERF ("Evangelium in Rundfunk und Fernsehen") und die Fernsehsendung "Fenster zum Sonntag", der "Marsch für Jesus", christliche Internetseiten wie Livenet, Alphalive-Glaubenskurse - alle diese Aktionen und Programme der letzten 20 Jahre zeigen: Die Christen gehen aufeinander zu und wollen die gute Nachricht von Jesus wieder bekannt machen und in die Gesellschaft hineintragen. Die Vereinigten Bibelgruppen (VBG) und Campus für Christus wirken dafür an Schulen und Universitäten; Stiftungen wie "Quellenhof" und "Meilestei" engagieren sich für Randständige und Drogenabhängige; Parteien wie EVP und EDU versuchen, christliche Werte in der Politik zu vertreten.

 
Eine Schweizer Familie
Eine Schweizer Familie

Familien in der Schweiz
Der Familienbericht ist ein Grundlagenwerk, das das Bundesamt für Sozialversicherung und das Bundesamt für Statistik erarbeitet. Im folgenden einige Erkenntnisse aus dem Bericht des Jahres 2004:

1. Heute gibt es ein Drittel mehr Haushalte als 1970. Diese Zunahme ist auf die kinderlosen Haushalte zurückzuführen.
2. In den Schweizer Familien leben durchschnittlich 2 Kinder.
3. Bei der Geburt des ersten Kindes sind die Frauen im Durchschnitt 29 und die Männer 32 Jahre alt.
4. Ein Fünftel der Frauen bleibt kinderlos.
5. Dreimal so viele Ehen wie 1970 werden geschieden.
6. Familien tragen ein hohes Armutsrisiko, insbesondere Alleinerziehende und Paare mit mehr als 2 Kindern.
7. Die finanzielle Lage von Familien hat sich zwischen 1990 und 2001 verschlechtert. So haben sich die Abgaben für Sozialversicherungen, andere Versicherungen, Steuern und Gebühren für eine Familie mit 3 Kindern in diesem Zeitraum verdoppelt!

 
Das World Trade Center
Das World Trade Center in New York nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs.
Pascal Couchepin forderte bei der Präsentation des Berichtes eine höhere Kinderquote und eine höhere Frauenarbeitsquote - nicht zuletzt wohl, um die Zukunft der Altersversorgung zu sicher. Es ist zu hoffen, dass diesen Absichtserklärungen der hohen Politik schon bald familienfreundliche Massnahmen folgen, z.B. bei den Steuern oder den Krankenkassen. Gemäss anderen Umfragen steht die Familie aber nach wie vor hoch in Kurs. 68 Prozent der Deutschen gaben in einer Umfrage des Allensbach-Instituts an, dass ihre Familie sie glücklich macht.

Erschütterung "11. September 2001"
Zwei Passagierjets fliegen in die Wolkenkratzer des World-Trade-Centers im Zentrum von New York. Tausende von Menschen sterben. Die islamische Extremistenorganisation Al Kaida "übernimmt die Verantwortung" dafür. Die ganze Welt ist erschüttert. Die Airline-Industrie gerät ins Trudeln, die Börsenkurse sinken, und die USA starten in Afghanistan ihren "Krieg gegen den Terror". Die Konflikte zwischen der islamischen Welt und dem modernen Westen nehmen mit dem Irak-Krieg weiter zu. Auch die Schweiz und vor allem die Swissair spüren die Folgen dieser globalen Erschütterung. Schon als die beiden Zwillingstürme innerhalb von einer Stunde in sich
 
Swissair Logo
Swissair Logo
zusammenfielen, musste man unweigerlich an die Passage in der Offenbarung denken, wo der schnelle Niedergang Babylons beschrieben wird: "Und die Kaufleute, die durch den Handel mit ihr reich geworden sind, … und alle Schiffsherren und alle Steuerleute und Seefahrer … standen fernab und schrien, als sie den Rauch von ihrem Brand sahen: Wer ist der grossen Stadt gleich? Und sie warfen Staub auf ihre Häupter, und schrieen, weinten und klagten: Weh, weh, du grosse Stadt, von deren Überfluss reich geworden sind alle, die Schiffe auf dem Meer hatten; denn in einer Stunde ist sie verwüstet!" (Offenbarung 18,15-19)

Erschütterung "Swissair Grounding"
Die Swissair - das war ein Stück Schweizer Nationalstolz, das rund um den Globus flog. Die Folgen des 11. September, fehlendes Geld und Managementfehler haben dazu geführt, dass die Swissair Anfang Oktober 2001 nicht mehr flog. Der Stolz des Landes lag am Boden. Angestellte standen Schlange, um wenigstens einen Teil ihres Guthabens von der Firmensparkasse
 
Swissair-Flotte am Boden
Swissair-Flotte am Boden
zurückzuerhalten. Tausende von Flugpassagieren strandeten in Zürich Kloten mit einem gültigen, aber wertlosen Ticket. Der Bundesrat musste Milliarden einschiessen, um noch zu retten, was zu retten war - ein traumatisches Ereignis für viele Schweizer und ihren Nationalstolz. Viele fragten: Wie konnte es so weit kommen? Die ganze schweizerische Wirtschaftselite sass im Verwaltungsrat, die Swissair wurde von den renommiertesten Consultingfirmen beraten und im nachhinein stellte es sich sogar noch heraus, dass am Tag des Groundings, als die liquiden Geldmittel aufgebraucht schienen, noch genügend Geld vorhanden gewesen wäre - jedenfalls für ein paar Tage.

Erschütterung "Hochwasser 2005"
Im August 2005 regnete es sehr stark und heftig. In Brienz verwandelte sich ein Bergbach innnert Kürze zu einer reissenden Schlammlawine, die einen ganzen Ortsteil des idyllischen Brienz verschüttete, Dutzende Häuser zerstörte und 2 Menschen in den Tod riss. Engelberg war mehrere Tage von der Umwelt abgeschnitten und ganz Sarnen stand im Sarner See. Die Aare floss durch das Berner Matte-Quartier, und der Thuner See trat über die Ufer. Die Versicherer schätzen die Schäden auf 2,6 Milliarden Schweizer Franken. Die kantonalen Gebäudeversicherungen sprechen von einem Naturereignis, wie es bisher nur alle 250 Jahre auftrat. Die Niederschlagsintensität übertraff sogar das "Jahrhundertereignis" der Überschwemmungen im Reusstal von 1999.

 
Unterbrochene Zugangsstrasse
Unterbrochene Zugangsstrasse nach Engelberg nach dem Hochwasser vom August 2005
 
Ueberflutetes Oey
Ueberflutetes Oey im Berner Oberland

Reaktion auf Erschütterungen in der Schweiz
Das Marktforschungsinstitut Demoscope befragt seit fast 30 Jahren mehrere tausend Personen In der Schweiz und verfasst Trendreports. Es schreibt im Juni 2005 in einer Pressemitteilung:
"Nach einer fast 30 Jahre anhaltenden Entwicklung zu progressiven und aussengerichten Werten ist im Jahr 2001 eine eigentliche Zäsur eingetreten. Die damit verbundenen Trends wie Hedonismus, Extraversion, Erfolgsorientierung, Materialismus, Erotik und Convenience waren die eigentlichen Triebfedern. Sie sind in den jährlichen Demoscope-Trendreports vor allem unter den Begriffen Hedonismus und Narzissmus beschrieben worden. Seit vier Jahren zeichnet sich nun eine deutliche Trendwende ab. Die neuen Tendenzen sind konservativ. Anstelle der lange Zeit zunehmenden Weltoffenheit, ja sogar eines zeitweiligen Eskapismus aus unseren engen Grenzen hinaus, ist ein neues Bedürfnis nach Verwurzelung entstanden. Die , bei der jüngeren Generation besonders stark ausgeprägt, lässt die Wertschätzung für die nähere und nächste Umgebung, die Beteiligung am lokalen Gesellschaftsleben und den Stolz auf schweizerische Eigenart und auch weltweit anerkannte Errungenschaften in Wirtschaft und Sport anwachsen. Parallel dazu ist auch eine eigentliche Renaissance des Autoritarismus festzustellen. Ein Problem bei der aktuellen Entwicklung ist allerdings die mangelnde Einigkeit der verschiedenen, jeweils stark egoistischen Interessensgruppen, was und wer denn als Führung anerkannt werden sollte."

Alle die Erschütterungen der letzten Jahre zeigen das Bedürfnis nach Wahrem und Festem auf. Die Frage "Woher komme ich, wohin gehe ich?" wird wieder gestellt. Einige Menschen suchen die Antwort in der Esoterik. Andere finden den Weg hin zum Glauben an Jesus Christus und erfahren Heilung an Leib und Seele. Die Schweizerischen Staatskirchen verlieren zwar Mitglieder, trotzdem entstehen in ihren Reihen immer wieder bemerkenswerte geistliche Aufbrüche. Freikirchen sind daran, aus ihren eigenen Wänden und Häusern auszubrechen und auf die Gesellschaft und ihre Umgebung einzugehen. Dies bewirkt Wachstum und vermittelt suchenden Menschen Antworten und eine verbindliche Gemeinschaft. Alphalive-Kurse, die in vielen Freikrichen und in den Landeskirchen beider Konfessionen landauf, landab stattfinden, vermitteln dem postmodernen Schweizer in ansprechender Form die Grundlagen des christlichen Glaubens. Wie schon früher in der Geschichte bewirken Erschütterungen und Krisen eine Zunahme des Gebets. Mütter beten für ihre Kinder (MIK - "Mütter in Kontakt"), Parlamentarier treffen sich unter der Bundeshauskuppel zum Gebet für Politik und Wirtschaft, und Geschäftsleute stehen an ihren Arbeitsstätten für die Firma und persönliche Anliegen ein.

Weiterführende Literatur und Links:
1. 11. September 2001: Livenet.ch - Auch eine Botschaft für die Schweiz
2. Demoscope-Pressemitteilung vom Juni 2005 (PDF)
3. Hans-Peter Bärtschi, Kilometer Null. Vom Auf- und Abbau der industriellen Schweiz, Vontobel-Stiftung 2004
4. Materialismus: Livenet.ch - Materialismus in unserer Gesellschaft
5. Materialistisches Denken: Livenet.ch - Return-on-Investment
6. Materialistische Identität: Livenet.ch - "Ich kaufe, also bin ich"
7. Schweiz - Zweiter Weltkrieg, Stellungnahme der Schweizerischen Evangelischen Allianz:
8. Schweiz - Zweiter Weltkrieg, Unabhängige Expertenkommission: www.uek.ch/de/index.htm
9. Schweiz - Zweiter Weltkrieg; Chronologische Auflistung der Ereignisse
10. Swissair Grounding: Livenet.ch - Grounding der Swissair jährt sich
11. Werte in der Schweiz: Livenet.ch - Welche Werte halten die Schweiz zusammen?
12. Wirtschaftsethik, Stellungnahme der Schweizerischen Evangelischen Allianz
13. Wirtschaftsgläubigkeit als Ersatzreligion: Livenet.ch - Wirtschaftsgläubigkeit trägt inzwischen Züge einer Ersatzreligion



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