JESUS.CH - 28.03.2017, 08:12
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5. Die Eidgenossenschaft in Europa

Judenverfolgung und Erdbeben in Basel
Die Juden von Basel wurden 1349 der Brunnenvergiftung angeklagt. Daraufhin wurden einige von ihnen verbrannt und der jüdische Friedhof zerstört. Noch im gleichen Jahr brach die Pest aus und raffte einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung Basels dahin. 1356 bebte dann die Erde. Es war das bis heute stärkste Beben in Mitteleuropa. Seine Erschütterungen und die dadurch ausgelösten Feuer zerstörten viele Gebäude in Basel und Umgebung. Die Menschen des Mittelalters sahen in diesen Ereignissen ein Gericht Gottes.


Erdbeben von Basel 1356

 
Pestarzt mit Maske
Pestarzt mit Maske, die ihn vor dem Einatmen infizierter Luft schützen sollte.

Pestepidemien
Die Pest bezeichnete man im Mittelalter als den "Schwarzen Tod". Sie wütete von 1347 bis 1353 und dann noch einmal 1360/61. Man schätzt, dass bis zu 25 Millionen Menschen - also ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas - durch den Schwarzen Tod umkamen. Die Pest wurde über italienische Handelsschiffe von der Krim (Schwarzes Meer) nach Europa gebracht. Viele Menschen der damaligen Zeit empfanden die Pest als Gottesstrafe. Religiöse Bewegungen entstanden spontan im Gefolge oder in Erwartung der Pest: Eine der auffälligsten waren die Flagellanten, die sich als Busse für ihre eigenen Sünden so wie die der Gesellschaft in öffentlichen Umzügen selbst geisselten. Das biblische Konzept von Busse dagegen verlangt keine Selbstgeisselungen, sondern schlicht und einfach Umkehr. Der Mensch erkennt seine Sünde (d.h. seine Zielverfehlung gegenüber dem Maßstab der Bibel) und ändert aus Gottes Kraft sein Verhalten. Die Kirche des Mittelalters hätte eine solche "Umkehr" dringend benötigt.

Kampf mit Habsburg
Durch den Bundesbrief von 1291 hatten sich die Talschaften Uri, Schwyz und Unterwalden verbündet. Die Habsburger nahmen diese Absetzbewegungen nicht einfach hin. 1314 eskalierte dann der Streit der Eidgenossen mit dem Kloster Einsiedeln, und die Habsburger bereiteten eine Strafaktion vor. Diese endete im Jahr darauf mit einer Niederlage der Habsburger am Morgarten. Die Beziehung en zu diesem Herrscherhaus blieben gespannt, und die Waldstätte mussten sich
 
Schlacht am Morgarten
Schlacht am Morgarten 1315
neue Bündnispartner suchen. 1332 kam Luzern dazu, 1351 Zürich, 1352 Zug, Glarus und Bern 1353. Die Eidgenossen behaupteten sich in weiteren Kriegen gegen die Habsburger, so in Sempach und Näfels.

Schweizer als Söldner in Europa
Die militärischen Erfolge der Eidgenossen gegen die Habsburger erregten europaweit Aufsehen. Französische und italienische Könige versuchten, sich durch Soldverträge die Kampfeslust der Eidgenossen zu sichern. Immer mehr von ihnen liessen sich gegen Geld in die europäische Machtpolitik und ihre Kriege einspannen. Teilweise standen sich Schweizer Söldner auf fremdem Boden sogar gegenüber. Der Söldnerdienst brachte nicht nur Unsummen von Geld in die Schweiz, sondern verschaffte den Eidgenossen auch Macht auf europäischer Ebene. Daneben führte das Kriegshandwerk aber zur Verrohung der Menschen, und viele Söldner kehrten gar nicht mehr oder nur verkrüppelt heim. Die Tagsatzung - der gemeinsame Rat der einzelnen Kantone (damals "Orte" genannt) - verbot das sogenannte Reislaufen ("in einem Kriegszug laufen"; Söldnertum), doch erst das militärische Desaster von Marignano 1515 brachte den Eidgenossen die schmerzvolle Einsicht, dass man für Geld und Macht nicht alles mitmachen sollte.

 
Schweizer Söldner im Kampf
Schweizer Söldner im Kampf

 
Niklaus von Flüe
Der Eremit Niklaus von Flüe

Niklaus von der Flüe
In dieser Zeit, als die Eidgenossen sich als Söldner in ganz Europa für fremde Kriegsdienste einspannen liessen, warnte der Tagsatzungs-Abgeordnete Niklaus von der Flüe aus Obwalden vor den seelischen und geistlichen Schäden des Reislaufens. Als Einsiedler verbrachte er viel Zeit im Gebet. Viele Menschen suchten ihn auf, um von ihm Rastschläge und Weisung zu erhalten. Niklaus von der Flüe war nicht nur ein Beter, prophetischer Warner und Seelsorger. Er war auch ein Friedensstifter und Vermittler. Einen Streit zwischen unterschiedlichen Interessen von städtischen und ländlichen Kantonen schlichtete er 1481 in Stans.

Der Zustand der Kirche am Vorabend der Reformation
Die Kirche des Mittelalters war nicht nur in religiöse Machtpolitik verwickelt, sondern befand sich auch in grossem moralischem Zerfall. Der war sogar für das gewöhnliche Volk offensichtlich. Besonders stossend waren folgenden Missstände:

1. Durch Schenkungen wurden die Klöster oft sehr reich. Das förderte eine sittliche Verwahrlosung und geistliche Verflachung.
2. In Deutschland war zu dieser Zeit etwa jeder 9. Einwohner ein Kleriker. Trotzdem überliessen die Bischöfe und Äbte die Aufgabe des Predigens ungelehrten Vikaren.
3. Die Kirche betrieb einträgliche Geschäfte mit Reliquien, und auch von Sünden und dem
 
Ablasshandel im Mittelalter
Ablasshandel im Mittelalter
Fegefeuer konnte man sich gegen Geld freikaufen (Ablasshandel).
4. Das sterile Formelwesen der scholastischen Theologie führten zu unpersönlichen Gottesdiensten.
5. Die Priester, die offiziell im Zölibat lebten, hatten immer mehr uneheliche Kinder.

Trotz mehrerer Reformbestrebungen der Kirche wurde diese sichtbaren Mißstände immer stärker. Der Abstand zwischen Realität und den Maßstäben der Bibel wurde immer grösser.

Weiterführende Literatur und Links:
1. Peter Dürrenmatt, Schweizer Geschichte, Schweiz. Druck- und Verlagshaus AG, Zürich 1963
2. Beat Christen, La Suisse existe, Jordi Medienhaus 2001
3. Erdbeben in Basel: www.altbasel.ch/fussnoten/erdbeben_zeit.html



 


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