JESUS.CH - 01.05.2017, 06:20
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11. Nachkriegsjahre und 68er-Bewegung

 
VW-Käfer
Der VW Käfer - das Sinnbild für steigenden Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten der Nachkriegsjahre

Zunehmender Wohlstand der Nachkriegsjahre
Nach dem Krieg war Europa in einen Westblock und einen Ostblock gespalten. Schon bald begann das atomare Wettrüsten, das zwischen den USA und der Sowjetunion zu einem Gleichgewicht des Schreckens führte. Die Schweizer Industrie und Infrastruktur waren nach dem Krieg unversehrt geblieben. Das brachte dem Land in Europa einen fast einzigartigen Vorteil. Die Finanz-, Pharma-, Maschinen- und Uhrenindustrie konnten nun ihre Stellung entsprechend ausbauen, ihre Geschäfte internationalisieren und in den Nachkriegsjahren stark wachsen. Es folgten Jahrzehnte des stetig steigenden Wohlstandes. Die Einführung der schweizerischen Sozialwerke AHV und IV (Renten- und Invaliditätsversicherung) brachten endlich für breite Bevölkerungskreise eine zunehmende soziale Sicherheit.

Aufstieg der Schweizer Banken der Interhandel-Deal
Auch die Schweizer Grossbanken wuchsen sehr stark und eröffneten bald Niederlassungen in der ganzen Welt, insbesondere in den USA. Durch eine Einigung mit der amerikanischen Regierung über das Dossier Interhandel wurde die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) zur führenden Schweizer Grossbank. Ein kurzer Überblick soll das Geschehen rund um Interhandel verdeutlichen:

 
Sowjetische Atomrakete
Sowjetische Atomrakete
Deutschland brauchte Zugriff auf amerikanische Chemieunternehmen, um seine Rüstungsmaschine am Laufen zu halten. Dazu bedienten man sich der 1929 durch den IG-Farben-Konzern gegründeten IG Chemie in Basel, um sich über diese "Tarnfirma" an den amerikanischen Chemiefirmen der GAF (General Aniline & Film Corporation) zu beteiligen. Auf dem Papier gehörte die Firma IG Chemie jedoch einer Schweizer Bankengruppe. Man war so siegessicher, dass man das Risiko der wackligen Beteiligung über die Schweizer Tarnfirma einging. Nach dem Krieg erhoben die Schweizer Besitzer Anspruch auf die IG Chemie (später Interhandel) und ihrer Beteiligungen in den USA (GAF). Die USA erkannten diesen Anspruch nicht an, und es entwickelten sich heftige diplomatische. politische und rechtliche Auseinandersetzungen um diese "Kriegsbeute". 1961 einigten sich die Unterhändler der SBG mit den USA. Die Schweizerische Bankgesellschaft wurde um einige hundert Millionen US-Dollar reicher und damit zum mächtigsten Finanzinstitut der Schweiz.

Rechtlich gesehen war der Deal korrekt und auch geschickt und professionell ausgehandelt. Aus christlicher Perspektive muss man sich aber fragen, wieviel Blut von Unschuldigen (insbesondere Juden) an dieser "Kriegsbeute Interhandel" kleben geblieben ist und der Schweiz weiterhin anhaftet.

Chiasso-Skandal
Der Bankenplatz Schweiz musste noch mehrere Skandale mit Kapitalien und Geldern aus dubiosen Quellen verarbeiten. In der Folge wurde die Gesetzgebung einige Male angepasst und verschärft. In den Siebziger Jahren wurde die Schweizerische Kreditanstalt vom sogenannten Chiasso-Skandal erschüttert. Mitarbeiter dieser Tessiner Filiale der Schweizerischen Kreditanstalt SKA hatten in grossem Stil in Italien Gelder angeworben. Sie hatten es aber nicht in sichere Wertpapiere investiert, sondern in dubiose Gesellschaften in Liechtenstein verschoben. Der SKA drohte ein Verlust von bis zu 2 Milliarden Franken. Die Politik reagierte mit einer freiwilligen Vereinbarung zwischen der Nationalbank und der Bankiervereinigung: der Sorgfaltspflichtvereinbarung der Banken.

 
Che Guevarra
"Freiheitskämpfer" Che Guevarra, Idol der 68er-Bewegung

Die 68er-Bewegung
Der Vietnam-Krieg brachte in Amerika und in Europa viele Studenten auf die Strasse. Eine Generation, die im Wohlstand, aber weitgehend auch im Materialismus aufgewachsen war, sehnte sich nach Spiritualität und Sinn. Die 68er-Bewegung ist zu vergleichen mit einer explosiven Mischung aus Pazifismus, Rockmusik, Drogen, freier Liebe, Anarchie, antiautoritärer Erziehung, linken Gesellschaftsutopien und einer tiefen Sehnsucht nach Spirituellem. Durch die Jesus-People fanden viele "68er" einen neuen Zugang zu Jesus Christus. Auch in der Schweiz nahmen Christen ihre Verantwortung wahr und halfen beispielsweise den Betroffenen, über Entzugstherapien von ihrer Drogensucht freizukommen. Viele ehemalige 68er gehören heute zu den Regierenden und Einflussreichen im Land. Aber die meisten ihrer Ideale und Experimente sind heute durch die Realität überholt worden oder haben sich als gefährliche Utopien erwiesen. Der ungehemmte Drogenkonsum endete für viele in einer tödlichen Ueberdosis, die antiautoritäre Erziehung hinterliess orientierungslose Jugendliche, und die "freie Liebe" führte in zerrüttete Beziehungen und bekam mit AIDS einen gewaltigen Rückschlag.

 
Fall der Berliner Mauer 1989
Fall der Berliner Mauer 1989

Fall der Berliner Mauer - Untergang des Kommunismus
Die Welt und Europa waren in zwei Blöcke gespalten. Der Kalte Krieg blieb zwar meistens kalt, aber es war eben doch ein Krieg. Die Politik des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan (1981-1989), das misslungene Afghanistan-Abenteuer der Sowjetunion (1979-1989), die Politik des Glasnost von Michael Gorbatschow (1985-1991) und der polnische Papst Johannes Paul II - sie alle trugen mit zum Fall des Kommunismus bei. Die atheistische Ideologie des Kommunismus bot für die spirituellen Fragen der Menschen keine Antwort. Auch dies war ein Grund, dass der Kommunismus als politisches und wirtschaftliches System so rasch implodierte. Nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 brach die Weltmacht Kommunismus schliesslich ganz in sich zusammen. Dies verschaffte den Menschen im ehemaligen Ostblock praktisch über Nacht neue ungewohnte Freiheiten - und führte sie nicht selten in noch grössere wirtschaftliche Not. Die Welt war nicht länger dieselbe.

Weiterführende Literatur und Links:
1. Interhandel-Deal, www.woz.ch/artikel/inhalt/2001/nr36/Wirtschaft/11075.html
2. Interhandel. Die schweizerische Holding der IG Farben und ihre Metamorphosen - eine Affäre um Eigentum und Interessen (1910-1999), Veröffentlichungen der UEK. Band 2, Mario König
3. Stellungnahme der Schweiz. Evang. Allianz zum Thema Wirtschaftsethik



 


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